IN THE GHETTO – Die Annäherung an den Stadtteil Steilshoop findet ihren Ausgangspunkt in den Klischees, mit denen Hochhaussiedlungen gerne verbunden werden. Der Weg führt von den ersten eigenen Erfahrungen im Stadtteil zu wichtigen Treffpunkten seiner Bewohner. Dabei wird auch die Funktion von diesen sogenannten Dritten Orte beleuchtet.

06.12.2017, ANIKA DÖRING

IN THE GHETTO 

Ein Querformat. Das Bild ist vor einem weißen Hintergrund freigestellt. Auf der rechten Seite ragt ein rotgeklinkertes Hochhaus mit einer Balkonfront ins Bild. Das Haus nimmt mehr als zwei Drittel der Breite des Bildes ein. In der linken unteren Ecke ist gerade noch die obere Kante eines weiteren Hochhauses zu sehen. Die Farben sind gedämpft und dunkel gehalten. Das Bild ist eine Montage.

»Wer aus der Innenstadt nach Steilshoop kommt,

dem bietet sich das Neubaugebiet abweisend,

wie eine Festung dar:

die südlichen Hofbebauungen wirken wie Bollwerke...

das ist eine riesige Mauer aus Beton, die undurchdringlich wirkt.«

 

Paulhans Peters, Architekt

Ein Querformat. Das Bild ist vor weißem Hintergrund freigestellt. Auf der linken Seite angeschnitten ein rotgeklinkertes Hochhaus in extremer Untersicht, rechts ragen schwarze Zweige eines Baumes ins Bild. Die Farben sind gedämpft und dunkel gehalten. Das Bild ist eine Montage.

Das Zitat von Paulhans Peters stammt aus dem Jahr 1974. In einem Artikel der Fachzeitschrift BAUMEISTER beschrieb der Architekt die Fehler, die seiner Ansicht nach bei der Planung und dem Bau der Siedlung Steilshoop gemacht wurden.

In der Planungsphase noch als visionäres Versuchslabor für sozialen Wohnungsbau gelobt, wurde das Bauprojekt bereits kurz nach seiner Fertigstellung stark kritisiert.

 

Spätestens mit dem Buch "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" aus dem Jahr 1978 hatten die Großwohnsiedlungen in Deutschland ihren Ruf weg. Sie wurden zum Symbol für soziale Brennpunkte.

Dieses Klischee wird auch heute noch gerne von der Presse aufgegriffen. Das schlechte Image dieser Stadtteile verstärkt sich dadurch.

Ein Spaziergang durch Steilshoop

Ich selbst war vor dem Projekt nie in Steilshoop und ich habe keine Ahnung, was mich erwartet.

Um mir ein Bild zu machen, gehe ich wie ein Tourist durch das Viertel und fange meine Eindrücke ein.

Das Bollwerk: ein experimenteller Architekturfilm.

Während des Drehs bekomme ich immer wieder das Misstrauen der Bewohner zu spüren.

Die Leute wollen nicht, dass ich filme, auch, wenn es ganz unverfänglich um eine Hauswand geht.

Außenstehende - vor allem mit Kameras - sind hier nicht unbedingt gern gesehen.

Das schlechte Image, das Steilshoop bzw. den Hochhaussiedlungen generell in der Presse verpasst wird, fällt so auf die Journalisten zurück.

 

Aber auch ich kann mich von den Klischees nicht freimachen.

Das Kino im Kopf

Eines Mittags stehe ich unschlüssig auf dem Parkplatz hinter dem Einkaufszentrum und überlege, wo ich meine Pause verbringen könnte.

Ich brauche einen Ort, wo ich das Kameraequipment mitnehmen kann, es günstig was zu essen gibt - und ganz dringend: eine Toilette.

 

Da hält neben mir ein Auto. Der Fahrer steigt aus und mustert mich. Er spricht mich an: „Was ich denn hier wolle?!“

Ein Querformat. Das Einkaufszentrum in Steilshoop gesehen aus der Richtung der Martin-Luther-King-Gemeinde. Vor dem Einkaufszentrum ist eine Bushaltestelle. Links daneben steht eine Imbissbude -

Im ersten Moment weiß ich nicht, wie ich reagieren soll.

Plötzlich tauchen in meinem Kopf Bilder eines Gangsterrapvideos auf.

Das Auto verwandelt sich in einen schwarzen BMW, Bässe wummern aus dem Inneren.

 

An sich waren hier doch immer alle ganz nett? Wie meint er das jetzt?

Ach, wie ist eigentlich die Kamera versichert?

 

Schon sehe ich mich zerschunden und ohne Kamera wieder in der Redaktion eintrudeln.

Und das alles gerade jetzt, wo ich so dringend…

Ich entschließe mich für die Offensive: „Ich suche ein Café – mit Toilette!“

 

Der Mann lacht. Wenn ich auf die Toilette müsse, könne ich gerne mitkommen und weist auf eine Sportwetten-Bar hin. In zweifacher Hinsicht erleichtert folge ich ihm.

 

Drinnen: Ausschließlich junge Männer. Sie starren auf Monitore und würdigen mich keines Blickes. Ich bin für sie einfach nicht da. Aber es gibt eine Damentoilette – und die ist blitzsauber.

Ein Querformat. Aussicht von einem Steilshooper Hochhaus in Richtung der Innenstadt von Hamburg. Am Horizont erkennt man ganz klein den Fernsehturm. Am sommerblauen Himmel, der etwa fünf Sechstel des Bildes einnimmt, türmen sich weiße Wolken in einem Band.

EIN STEILSHOOPER

Vor etwa vier Jahren machte sich Bernhard Lang in Hamburg auf die Suche nach einer neuen Heimat. Dabei hat er sich in seine jetzige Wohnung verliebt.

„Ich hab' Blick bis zum Michel, ich hab' Blick auf den Ohlsdorfer Friedhof und es ist einfach alles grün.“

Vorher wohnte er 17 Jahre in Winterhude, in einer dieser beliebten Stuck-Altbauwohnungen - allerdings auf der Nordseite.

Das junge Pärchen, das die Wohnung übernommen hat, zahlt jetzt 1200€ dafür.

„Die müssen den Kinderwagen 5 Etagen hochschleppen, ich fahr hier mit dem Aufzug in meine sonnendurchflutete Wohnung.“

Ein kreisförmiges Bild. Portrait von Bernd Lang, der direkt in die Kamera schaut. Das Foto ist technisch zu einer schwarz-weiß Zeichnung verfremdet und vor einem kreisförmigen grauen Hintergrund freigestellt.

»Wenn man an der Steilshooper Allee vorbeifährt, dann sieht man halt nur die Häuserwand. Aber das ist ja nicht, was Steilshoop ausmacht. Es ist der Zusammenhalt, das Zusammengehörigkeitsgefühl - das ist Steilshoop.«

 

Bernhard Lang

 

Er ist sich sicher, dass es Vorurteile nicht nur gegenüber Menschen gibt, sondern auch gegenüber Stadtteilen:

„Ich hab am Anfang natürlich auch die Wohnungstür angeguckt und war dann ganz beruhigt, dass sie drei Schlösser hatte. Weil man wirklich so denkt: Gott, ist das anonym, man kennt sich nicht. Ich glaube, dass ist das Vorurteil, das ich am Anfang hatte.“

Aber man kennt sich hier besser als vorher in Winterhude.

„Ich bin im November eingezogen und an Silvester saß ich mitten zwischen den Steilshoopern.“

Im Gegensatz dazu hätte man sich in Winterhude 17 Jahre lang täglich gesehen und sich täglich nicht gegrüßt.

Treffpunkte für Menschen

Ein Querformat. In der unteren Hälfte des Bildes sieht man einen Erdwall mit bemoosten Wurzeln. Rechts vorne ragt ein kleiner Busch mit grünen Blättern ins Bild. Ab der Mitte des Bildes geht der Erdwall in eine sandige Grube über. An deren Rand stehen weitere kleine kahle Büsche. In der Sandgrube stehen ein Holztisch und eine Holzbank sowie ein Mülleimer aus unlackiertem Metall. Dahinter stehen rot lackierte Spielgeräte, darunter ein Karussell und ein Wackelpferd.

Bernhard Lang befindet:

„Menschen brauchen Treffpunkte. Aber einfach nur‘n Kunstwerk hinzustellen und Platz drumrumzumachen, reicht nicht, dass Menschen sich da treffen. Findet da nämlich nicht statt. Weil Menschen brauchen einen Grund sich irgendwo hinzusetzen. Wenn man die Kinder in den Kindergarten bringt, trifft man die anderen - setzt sich hin.“

 

Für ihn gibt es in Steilshoop zwei funktionierende Plätze:

einmal am Kindergarten der evangelischen Martin-Luther-King Gemeinde und dann der Platz am Kiosk im Fritz-Flinte-Ring.

 

„Ich bin selbst an dem Kiosk immer“ lacht Bernhard Lang. „Morgens sitzen da die Mütter, trinken ihren Kaffee, wenn sie die Kinder in die Schule gebracht haben, dann kommen die Müllleute, die trinken ihren Kaffee, dann…“

Er überlegt und führt dann scherzhaft weiter:

„…kommen die ganzen - ähem - Drückerkolonnen - trinken ihren Kaffee.“

Außenansicht des Kiosk. Das Bild ist vor weißem Hintergrund freigestellt. Zu sehen ist vordere Seite mit der Eingangstür und die linke Mauer in der Flucht nach hinten. Die rechte Seite des Kiosks ist abgeschnitten. Das Bild vom Kiosk ist so positioniert, dass es mit dem rechten Bildschirmrand abschließt.

ÜBERSICHTSKARTE STEILSHOOP

Auf der Karte sind alle vorkommenden Orte verzeichnet.

Durch überfahren der rot markierten Gebäude lassen sich zusätzliche Informationen aufrufen.

 

 

 Dritte Orte  

Damit ein Gemeinschaftsgefühl in einem Viertel entstehen kann, müssen die Bewohner in Kontakt kommen können. Für Orte, die das ermöglichen, prägt der amerikanische Stadtsoziologe Ray Oldenburger in seinem Buch "The Great Good Place" (1989) den Begriff "Third Place". Demnach ist der "erste Ort" das Zuhause und der "zweite" die Arbeitsstelle eines Menschen. Der "dritte Ort" ist für Oldenburger ein Raum, der ein zwangloses Zusammentreffen zulässt und uns erlaubt, einfach zu sein. Der britisch-irische Begriff "Pub" trägt die allgemein freie Zugänglichkeit schon im Namen. Denn er leitet sich von "Public House" ab. Aber auch Stadtteilhäuser, öffentliche Plätze und Cafés können die Funktion von dritten Orten in einem Stadtteil übernehmen.

DER KIOSK

»Viele ältere Frauen, die haben Zuhause niemanden, wo sie quatschen können - die quatschen hier. Die sind froh, dass sie so einen Kiosk haben, dass sie hierher kommen und ein bisschen klönen können.«

 

Hüssen Bulut

Zu Besuch im Kiosk von Hüssein Bulut: eine Audioslideshow.

 Public Characters   

Zentrale Personen eines Viertels - wie der Kioskbesitzer Hüssein Bulut - beschreibt die amerikanische Architekturkritikerin Jane Jacobs in ihrem Buch "The Life and Death of the Great American Cities" (1961) als Public Characters. Für Jane Jacobs sind diese Menschen essentiell für einen funktionierenden Stadtteil. Denn sie stehen regelmäßig in Verbindung mit einer großen Anzahl von Bewohnern und bringen diese dabei untereinander in Kontakt. So helfen sie soziale Netzwerke zu bilden und machen ein Viertel weniger anonym. Und manche machen dabei ihren zweiten Ort - ihre Arbeitsstelle - zum dritten Ort für andere.

Ein kreisförmiges Bild. Portrait von Hüssein Bulut, der direkt in die Kamera schaut. Das Foto ist technisch zu einer schwarz-weiß Zeichnung verfremdet und vor einem kreisförmigen grauen Hintergrund freigestellt.

Vom Dorf ins Dorf

 

So ist auch der Kontakt zu den Steilshoopern für Hüssein Bulut der wichtigste Aspekt seiner Arbeit.

 

„Wir halten ihn am Leben.“ lacht Bernhard Lang, der im Kiosk gerade einen Kaffee trinkt.

 

Hüssein Bulut entgegnet:

„Gegenseitig, sagen wir mal so, ne. Ich kenne 90% aller Steilshoop-Leute nur durch den Kiosk. Und die kennen mich alle und ich bin jetzt neun Jahre in Hamburg - in Steilshoop.“

 

Dabei war für ihn die Umstellung auf das Leben in der Großstadt zunächst hart – er kannte niemanden.

Der Kiosk ist der Grund, weswegen Hüssein Bulut mit seiner Frau und seinen Kindern überhaupt nach Hamburg gezogen ist.

Geboren wurde er in einem Dorf in der Türkei.

Vor Hamburg lebte er 23 Jahre - ebenfalls in einem kleinen Dorf - zwischen Köln und Bonn.

 

 

Bernhard Lang mischt sich in das Gespräch:

„Ich würd' mal sagen, wir sind auch ein Dorf.

So groß, wie es von außen scheint, aber… man kennt sich - und: man ist erstmal Steilshooper und dann kommt man - wie ich aus Schwaben - oder aus der Türkei oder sonstwas.“

 

Hüssein Bulut bestätigt:

„Ganz genau. Meine Frau sagt immer: 'Wenn ich vorne aus dem Fenster schaue, denke ich, ich lebe in einer Großstadt - wenn ich hinten aus dem Fenster schaue, denke ich, ich lebe auf dem Dorf.'“

Steilshoop ist für ihn ein Multikultistadtteil.

„Klein, aber viele Einwohner und fast jeder kennt jeden. Und das ist selten in einer großen Stadt.“

Ein kreisförmiges Bild. Portrait von Bernd Lang, der nach links aus dem Bild schaut. Das Foto ist technisch zu einer schwarz-weiß Zeichnung verfremdet und vor einem kreisförmigen grauen Hintergrund freigestellt.

Der Anteil der Bewohner mit Migrationshintergrund beträgt im Stadtteil 50,0 %, in ganz Hamburg sind es 34,1%. Bei den unter 18jährigen ist der Anteil mit Migrationshintergrund in Steilshoop bei 70,6% und hamburgweit 50,4%.

 

Quelle: www.statistik-nord.de //Stand: 31.12.2016

DAS STADTTEILCAFÉ

»Dass es hier viel Kontaktbedürfnis gibt, das drückt sich eben auch im Café aus und hat im Ursprung ja sogar zur Gründung geführt.

Es gibt hier beides: viel Kontakt und viel Miteinandersprechen. Es gibt aber auch das direkte Gegenteil. Es gibt Menschen, die mitten unter all dem extrem vereinsamen.«

 

Holger Stümpel, einer der Geschäftsführer der Alraune gGmbH

  Merkmale Dritter Orte   

Ein Dresscode, eine Altersbeschränkung, fehlende Barrierefreiheit oder auch ein hohes Preisniveau schränken Besucher von vorneherein auf eine bestimmte Zielgruppe ein. Offenheit und ein niedrigschwelliger Zugang sind die wichtigsten Merkmale für einen dritten Ort. Statusunterschiede dürfen keine Rolle spielen. Das entscheidet, ob dort tatsächlich Menschen mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen zusammentreffen.

Ein Ort für alle

In einem Stadtteil mit wenig Kaufkraft ist es besonders wichtig, dass es finanziell niedrigschwellige Angebote gibt. Wenn diese für alle Bevölkerungsgruppen erschwinglich sind, ermöglichen sie echte soziale Teilhabe.

 

Gegen Ende der 1980er wurde "Das Café" in Wohnungen der SAGA eingerichtet. Eine staatliche Förderung erlaubt eine Preisgestaltung, die deutlich unter der von regulären Gaststätten liegt. Trotz der öffentlichen Förderung werden hier nicht nur bedürftige Menschen, Sozialhilfeempfänger und Arbeitslose bewirtet, sondern alle.

 

Es geht darum, den Kontakt zwischen den verschiedenen sozialen Milieus in Steilshoop zu ermöglichen. Gerade auch die älteren Bewohner Steilshoops können sich so mit warmen Essen zu versorgen und dabei Gemeinschaft zu finden.

Ein Querformat. Auf der linken Seite im Anschnitt der Wintergarten des Stadtteilcafes. Dahinter ragen weiße Häuserfronten empor.  Auf einer Kiesfläche rechts vom Wintergarten sind zwei große Sonnenschirme aufgespannt. Darunter sitzen an Tischen Leute. Ein Mann läuft vom Bildbetrachter weg zwischen den beiden Tischen in den Bildhintergrund. Im Bildhintergrund sitzen weitere Leute unter einem Baum.

Mit 10,5% ist die Arbeitslosenquote in Steilshoop fast doppelt so hoch wie der Hamburger Durchschnitt von 5,6%. Von den Steilshoopern sind 23,8% Sozialhilfeempfänger, hamburgweit sind es 9,9%. Es gibt 33,9% Sozialwohnungen in Steilshoop, auf dem Hamburger Wohnungsmarkt sind es 8,8%.

 

Quelle: www.statistik-nord.de //Stand: Dezember 2015

Darüber hinaus ist das Stadtteilcafé auch eine Ausbildungsstätte für alleinerziehende Mütter.

Für diese ist es von unschätzbarem Wert, direkt "vor Ort" eine Ausbildung machen zu können.

Das Café zur Mittagszeit: ein Beitrag übernommen aus dem TV-Magazin Hamburg immer anders!/TIDE

DAS HAUS DER JUGEND

Seit mehr als 40 Jahren ist es Anlaufpunkt für die Kinder und Jugendlichen im Quartier.

Das Haus der Jugend hat Generationen geprägt - hier hat man Fahrradfahren gelernt oder seinen ersten Kuss bekommen.

 

Steilshoop ist ein multikultureller und multiethnischer Stadtteil. Vielen Familien fehlt es an finanziellen Mitteln.

Im Haus der Jugend haben die Kinder die Möglichkeit, sich an Aktivitäten zu beteiligen, ohne dafür bezahlen zu müssen.

 

Die Angebote sind breitgefächert:

von der Teeniedisco über Konzerte und Theater bis zu Bastelgruppen, Hausaufgabenhilfe und verschiedene Sportgruppen.

Ein Querformat. Der Eingang zum ehemaligen Haus der Jugend auf dem Gelände des früheren Bildungszentrums Steilshoop. Der Eingangsbereich mit der Tür ist nach hinten versetzt, so dass ein regengeschützter Raum entsteht. Man sieht große Fensterfronten, in denen einzelne Fenster mit roten Rahmen abgesetzt sind. Das Gebäude ist mit einem glänzenden türkisgrünen Material verkleidet. Links vom Eingangsbereich stehen ein großer weißer, geschlossener Sonnenschirm und ein schwarzer Blumenkübel mit kleinen grünen Büschen.

 Bedeutung Dritter Orte   

An unseren ersten und zweiten Orten - dem Zuhause und der Arbeitsstelle - treffen wir auf Menschen, die uns in Ansichten und Erfahrungen sehr ähnlich sind. Aber für die Gesamtgesellschaft ist ein Austausch über diese Beziehungen hinaus bedeutend. Nur so kann ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen. Soziale Bewegungen, wie die Französische Revolution oder die amerikanische Bürgerrechtsbewegung nahmen ihren Anfang in den Salons und Barbiershops der damaligen Zeit. An dritten Orten lernt eine Gesellschaft auch, ihre Verschiedenheit auszuhalten.

 

Der stellvertretende Leiter Thomas Jonsson über die Bedeutung für den Stadtteil und die besondere Arbeitweise im Haus der Jugend: eine Audiocollage mit Kinderstimmen.

 

 

31,8% der Haushalte in Steilshoop sind alleinerziehend, in Hamburg sind es 26,1%. Im Stadtteil Steilshoop wachsen 49,1% der unter 15jährigen in Mindestsicherung auf. In ganz Hamburg sind es 20,9 %.

 

Quelle: www.statistik-nord.de // Stand: 31.12.2016 bzw. 31.12.2015

Von einer Generation zur nächsten

Bei der Anleitung der Freizeitgruppen werden Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Haus der Jugend miteingebunden.

 

„Die kennen sich einfach“ sagt Thomas Jonsson, Mitarbeiter und stellvertretender Leiter im Haus der Jugend, „und das ist dann schönes Arbeiten.“

 

Einer von ihnen ist Jan Holler. Er leitet Rapworkshops und hat die integrative Rap-Crew OSA - One Step Ahead - ins Leben gerufen.

Jan wuchs im Grindelviertel auf. Er folgte seiner Leidenschaft für den Rap und landete so im Haus der Jugend in Steilshoop.

Unterwegs mit OSA - One Step Ahead: ein Beitrag übernommen aus dem TV-Magazin Hamburg immer anders!/TIDE

»Ich glaube, One Step Ahead hätte nirgendwo anders entstehen können, weil Steilshoop wirklich ein bisschen wie eine Insel ist - eine Insel der Möglichkeiten. ...die Leute sind extrem offen, es leben so viele verschiedene Kulturen zusammen und in anderen Vierteln ist es so, da leben sie nebenher.«

 

Jan Holler

Was die Zukunft bringt

Bis zum Sommer 2016 war das Haus der Jugend in einem Gebäudeteil des Bildungszentrums Steilshoop untergebracht.

 

Im Zuge der Quartiersentwicklung wird sowohl das Bildungszentrum, als auch die Schule am See abgerissen und mit dem „Campus Steilshoop” neu aufgebaut.

 

Die Fertigstellung ist für 2019 geplant.

 

Entstehen sollen dabei eine Stadtteilschule mit Grundschul- und Sekundarstufe und ein Quartierszentrum. Dort wird dann das Haus der Jugend wieder seinen Platz finden.

Ein Querformat. Zwei Ankündigungsflyer des Haus der Jugend im DIN-Hochkant Format. Sie sind von Innen gegen eine Fensterscheibe geklebt. Es wird das Programm für den März 2016 angekündigt. Zudem wird auf den bevorstehenden Abriss des Bildungszentrums und den Umzug des Haus der Jugend hingewiesen. Abgebildet ist auch eine Steilshoop-Karte. Auf dieser sind der Standort des alten Haus der Jugend sowie der Standort der Übergangsräume für die Zeit des Neubaus gekennzeichnet.

Am alten Standort besuchten täglich etwa 250 Kinder und Jugendliche das Haus der Jugend.

 

Die Frage ist, ob das Haus der Jugend seine gute Arbeit auch über die lange Bauphase hinweg fortführen kann. Es bleibt zu hoffen, dass die neuen Räume ebenso gut angenommen werden und der neue Ort wieder ein so lebendiges Zentrum wird, wie es das alte war.

Ein Querformat. Eine niedrige Gartenmauer aus grauem Beton. Das Bild ist am oberen Rand stark beschnitten, so dass die Mauer fast bildfüllend ist. Hinter der Mauer kann man Wohngebäude sehen. Fenster und Eingangsbereiche sind aber durch die Mauer und den oberen Bildrand so stark angeschnitten, dass man nichts richtig erkennen kann. Der Beton der Mauer weist Alterungsspuren auf und ist mit weißen Flechten und grünem Moos bewachsen. In der Bildmitte ragt ein kleines Vordach von der Mauer nach hinten in den angrenzenden Garten. Das Vordach ist ebenfalls dick mit Moos bewachsen. Rechts vom Vordach ist ein hölzernes Gartentor. Vor dem Gartentor lagert Feuerholz. Vor der Mauer besteht das Gelände aus offener, dunkler Erde, auf der einzelne Zweige und altes Laub liegen. Insgesamt würde man so eine Mauer eher nicht in einer Großwohnsiedlung vermuten.

DIE MAUER IM KOPF

Im Verlauf dieses Projekts habe ich die Steilshooper als sehr offen und herzlich kennengelernt.

 

Die Erfahrungen beim Dreh und die Begegnung mit dem jungen Mann auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums am Anfang haben mir klargemacht:

Images lassen zu, dass wir Menschen, Orte und Dinge schnell in bestimmte Gedankenschubladen sortieren. Aber damit wird Kommunikation verhindert und Vorurteile werden verstärkt. So wirkt auch ein Image wie eine Mauer.

Und dadurch ist Steilshoop abgeschottet – architektonisch und in den Köpfen der Menschen.

»Das Besondere an Steilshoop? Das ist meine Heimat...

ich bin hier schon dreimal weggezogen und bin immer wieder gekommen.«

 

Besucherin des Stadtteilcafés

 

NACHWEISE

 

alle Texte, Medien, Bilder von Anika Döring

 

Audioslideshow "Der Kiosk",

Bilder vom Kiosk und vom Haus der Jugend von Theresa Gessert

 

Zahlen

 

http://www.statistik-nord.de abgerufen am 11.06.2017

Es wurden die jeweils zu diesem Zeitpunkt aktuellsten Zahlen einer Kategorie verwendet.

 

externe Links 

 

Stadtteilcafé Steilshoop

Rap-Crew OSA-One Step Ahead

 

Literatur

 

Jacobs, Jane: The Death and Life of Great American Cities, 1961

 

Oldenburger, Ray: The Great Good Place, 1989

 

Peter, Paulhans: Was können wir aus Steilshoop lernen? in Baumeister 6/1974

 

Wir danken allen Steilshoopern für ihre Unterstützung!