Was lässt uns heimisch werden und wie gehen wir mit Fremdheit und Ungewissheit um - der eigenen und die der anderen? Projekte - Lebensläufe - Annäherungen.

10.04.2018, MICHELLE BAUERMEISTER

 

 

SPRICH MIT MIR

Kooperationsprojekt auf dem Kunst- und Mediencampus Finkenau

Teilnehmerin Roshak Ahmad während des Unterrichts an der Hamburg Media School.

Foto: Inken Jaacks

Dreizehn Menschen mit Fluchterfahrung durchlaufen 2016 das erste Trainingsprogramm "Digitale Medien für Flüchtlinge" (DMF) der Hamburg Media School. Weil das Sprechen der neuen Sprache (Deutsch) für die Geflüchteten absolut zentral ist, haben sie täglich Deutschunterricht nach der Smolka Methode.

 

Zum selben Zeitpunkt arbeitet TIDE am Launch seines neuen crossmedialen Online Magazins TOM. Ein Themenschwerpunkt ist HEIMAT+FREMDE. TIDE zeichnet Teile des Deutschunterrichts auf Video auf.

 

Die Fakultät Design und zeitbezogene Medien der Hochschule für angewandte Wissenschaft (HAW) greift das Thema "Heimat und Fremde" in einem Seminar auf. Acht Student*innen interviewen Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und anderen Ländern. Ausschnitte der O-Töne dienen als Basis ihrer dokumentarischen Animationen. Die Filme erlauben momenthafte Einblicke in die individuellen Erfahrungen der Geflüchteten.

 

Für alle Beteiligten ist das Projekt der Versuch, eine Sprache neu zu erlernen (real oder visuell), sich auf verschiedenen Ebenen zu verständigen und über Kultur- und Hochschulgrenzen hinweg miteinander ins Gespräch zu kommen.

»Man lernt eine Sprache nur,

indem man sie spricht.«

Michael Smolka (r.) unterrichtet seit über 10 Jahren Englisch mit der Callan Methode. Seine guten Erfahrungen damit waren der Ausgangspunkt, diese Grundideen auch auf das Erlernen der Deutschen Sprache anzuwenden. Mit der daraus entwickelten Smolka Methode, die er mit seinem Zwillingsbruder Jörg seit vier Jahren unterrichtet, lernen Teilnehmer*innen Deutsch mit der Zeit ebenso intuitiv sprechen, wie Muttersprachler*innen das von klein auf erlernt haben - ohne Vokabeln oder Grammatik zu büffeln.

Die Zwillingsbrüder Jörg und Michael Smolka, Erfinder der Smolka-Methode

Nur ca. 1/4 der sonst üblichen Zeit braucht man auf diese Weise , um Nicht-Muttersprachler*innen auf B1-Niveau zu bringen. Aus organisatorischen Gründen unterrichten sie den DMF-Studiengang anders als sonst. Nicht in Kleingruppen von 1 bis max. 4 Student*innen, sondern in einer größeren Gruppe.

 

 

LEKTION: BENENNUNG VON OBJEKTEN

 

 

LEKTION: HILFSVERBEN UND ZUORDNUNG

 

 

 

 

SPRUNGBRETT IN DIE MEDIEN

Warum das DMF-Programm der Hamburg Media School (HMS) geflüchteten Medienschaffenden beim Zugang in die deutsche Medienlandschaft hilft.

»Es genügt, wenn man eine Kamera dabei hat, um verhaftet oder getötet zu werden.«

 

Roshak Ahmad entging in Syrien mit viel Glück Anschlägen und Verhaftung; sie konnte sich nach Deutschland retten. Die Journalistin ist eine der ersten dreizehn Medienschaffenden mit Fluchtgeschichte, die die HMS im April 2016 in das neue Weiterbildungsprogramm 'Digitale Medien für Flüchtlinge' aufgenommen hat. Ihren zwölf Kolleg*innen erging es in ihren Heimatländern Afghanistan, Syrien, dem Iran, Ruanda und Kolumbien ähnlich wie ihr: Sie filmten, schrieben, fotografierten, berichteten über das Leben von Männern, Frauen und Kindern in Krisengebieten, engagierten sich für Menschenrechte und Meinungsfreiheit und gerieten dadurch selbst in Lebensgefahr.

 

Im Spätsommer 2015 wurden die europäischen Außengrenzen für ein paar Wochen durchlässig. Die Bilder der Menschen, die über die Balkanroute oder das Mittelmeer nach Deutschland kamen, waren so eindrücklich, dass sich der gesellschaftliche Diskurs eine Zeit lang grundlegend änderte.

»Wir ahnten, dass unter den Hunderttausenden von Menschen viele Fachleute aus den Medien sein werden,« erinnert sich der künstlerische Leiter der HMS, Richard Reitinger: »Und weil wir überzeugt waren, dass nun jede Einrichtung Verantwortung für ein gutes Ankommen tragen sollte, auch die HMS, haben wir DMF erfunden.«

 

Am 1. April 2016 startete das Unterrichtsprogramm. Gemeinsam als internationales Lernteam durchliefen die dreizehn Medienmenschen den intensiven, gebührenfreien und spendenfinanzierten sechsmonatigen, deutschsprachigen Unterricht. Für die Vermittlung der im Anschluss geplanten dreimonatigen Praktika ging die HMS eine Kooperation mit dem EU-geförderten Projekt FLUCHT.ort Hamburg 5.0 / passage gGmbH ein.

 

»Das große Ziel des Programms ist, gemeinsame Werte in eine Sprache – oder in viele Sprachen – zu übersetzen, die es uns ermöglichen, mit den Menschen aus den Konfliktgebieten und bei uns zu kommunizieren, auch zu streiten, aber mit geistigen Waffen im demokratischen Diskurs.«, sagt Richard Reitinger.

 

Ende 2016 wurde der erste Durchgang des DMF mit Erfolg abgeschlossen. 

Teilnehmer*innen während der Aufzeichnung des Deutschunterrichts

Foto: Tina Fritsche 

 

 

DIE TEILNEHMENDEN 

Und wie es mit ihnen weiterging:

 

 

ROSHAK AHMAD

Teilnehmerin Roshak Ahmad des Trainingprogramms

Roshak Ahmad arbeitete bis 2014 selbständig als Journalistin vor allem in Damaskus, u.a. als Korrespondentin für die Deutsche Welle, Reuters, Sky News Arabia und Al-Jazeera. Sie nahm an zahlreichen Fortbildungen in Damaskus, Kairo und Istanbul im Bereich TV‐Reportagen, Dokumentarfilm, Enthüllungsjournalismus teil und engagiert sich im Female Journalists Network in Syrien. Aufgrund persönlicher Bedrohungen floh sie aus Syrien und konnte mit einem Visum über Istanbul nach Deutschland einreisen.

So geht es weiter: Roshak Ahmad absolviert ihr Praktikum beim NDR in Lokstedt und studiert seit September 2016 berufsbegleitend mit einem Stipendium der ZEIT-Stiftung 'Digital Journalism' an der HMS. Daneben arbeitet sie freiberuflich als Videokolumnistin für dbate.de und wird 2017 ihre Aufnahmen aus dem Camp Yarmuk in Kooperation mit einem deutschen Fernsehsender zu einem abendfüllenden Dokumentarfilm verarbeiten.

 

ARMAN AHMADI

Teilnehmer Arman Ahmadi des Trainingprogramms

Arman Ahmadi konnte sein Informatikstudium ebenso wenig abschließen wie die Dreharbeiten für seinen Dokumentarfilm über den kurdischen Schriftsteller Ali Asharfe Darvishian. Aufgrund staatlicher Verfolgung und persönlicher Bedrohung entschloss sich der iranische Kurde, das Land zu verlassen. Der Grafikdesigner und Fotograf hat Erfahrung als Kameramann und Reporter.

So geht es weiter: Arman Ahmadi bewarb sich nach einer DMF-Exkursion in Lokstedt beim Norddeutschen Rundfunk und absolviert seit dem 1. August 2016 eine dreijährige Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton.

 

MAHER ALKADI

Teilnehmer Maher Alkadi des Trainingprogramms

Maher Alkadi hat eine klassische Musikausbildung in Damaskus absolviert und hatte bis 2013 Engagements als Violinist unter anderem im Syrischen Nationalorchester und in der Band Pulse. Als Gründer der syrischen soziokulturellen Organisation NHNA bemühte er sich um die kulturelle Versorgung der Menschen trotz Kriegsbedingungen. Seit seiner Ankunft in Deutschland engagiert sich Alkadi als ehrenamtlicher Musiklehrer für Kinder in einer Lüneburger Flüchtlingsunterkunft, als Dozent in der No Border Academy, als Violinist im Syrian Expat Philharmonic Orchestra und macht eigene SoundDesign Projekte. So geht es weiter: Maher Alkadi baut an seiner Musikkarriere, hatte Auftritte mit seiner neuen Band Caravan City und als Violinist im Syrischen Exilorchester unter anderem mit den Berliner Philharmonikern. Sein Praktikum wird er im Film Tonstudio Chaussee Soundvision in Lüneburg absolvieren und blickt einer Ausbildung zum Mediengestalter entgegen.

AHMAD ALRIFAEE

Teilnehmer Ahmad Alrifaee des Trainingprogramms

Ahmad Alrifaee brach sein Bauingenieursstudium in Homs nach fünf Semestern ab und widmete sich während der Syrischen Revolution seiner neuen Berufung als Videoreporter und Fotograf. Durch Empfehlungen und nachdem seine Arbeiten von arabischen Fernsehsendern veröffentlicht worden waren, wurde die Nachrichtenagentur Reuters auf seine Arbeiten aufmerksam und beauftragte ihn als Freien Mitarbeiter für die Bildberichterstattung.

So geht es weiter: Ahmad Alrifaee absolviert sein Praktikum im Fernsehbereich beim Norddeutschen Rundfunk und studiert seit September 2016 – wie Roshak Ahmad – 'Digital Journalism' an der HMS. Wenn er könnte, würde er nach Syrien zurückkehren und sich mit seinem neuen Wissen für eine freie Presse in seinem Heimatland engagieren.

 

 

ERIK ARELLANA BAUTISTA

Teilnehmer Erik Arellana Bautista des Trainingprogramms

Erik Arellana Bautista arbeitet gegen das Vergessen der im bewaffneten kolumbianischen Konflikt Verschleppten und Verschwundenen, seitdem seine Mutter 1987 durch kolumbianische Paramilitärs entführt und ermordet wurde. Aufgrund seines Engagements wurde der kolumbianische Menschenrechtsaktivist, Dokumentarfilmer, Journalist und Autor immer wieder verfolgt und bedroht. Von 1997 an lebte er acht Jahre in Deutschland und studierte Audiovisuelle Kommunikation an den Kunsthochschulen in Kassel und Weimar, begann literarisch zu schreiben und Dokumentarfilme zu drehen. 2006 kehrte er nach Kolumbien zurück, um als Journalist und Universitätsdozent in Bogotá zu arbeiten. Weil er Menschenrechtsverletzungen dokumentierte, geriet die Arbeit seiner Stiftung in Kolumbien unter massiven Druck. Seit Juni 2014 ist er Stipendiat im Writers-in-Exile-Programm des PEN in Deutschland.

So geht es weiter: Erik Bautista macht sein Praktikum in der GEO Bildredaktion. Daneben arbeitet er weiter als Schriftsteller mit zahlreichen Vorträgen und Lesungen und baut als Medien- und Öffentlichkeitsverantwortlicher den Internationalen Verein für Menschenrechte Nydia-Erika-Bautista e.V. aus.

 

ADAM FREI

Teilnehmer Adam Frei des Trainingprogramms

Adam Frei hatte Kurzgeschichten geschrieben, die von der iranischen Zensur verboten worden waren, hatte die NGO 'Khaneye-Khuban' für Straßenkinder mitbegründet und war Reporter für drei iranische Zeitungen. Während seines Militärdienstes wurde er inhaftiert. 2005 gelang ihm die Flucht nach Deutschland. Hier studierte er Medientechnik an der HAW in Hamburg und widmete sich seinem eigentlichen Ziel: im Filmgeschäft anzukommen. Seit 2012 ist er verantwortlicher Mediengestalter für den Verein zur Förderung von Demokratie und Freien Wahlen, Dana.

So geht es weiter: Adam Frei arbeitet seit Oktober 2016 als Dolmetscher beim Bundesamt Migration und Flucht. Außerdem strebt er weiterhin einen Job als Medientechniker an und will alternativ dazu seinen Weg als Freiberufler in der Postproduktion (TV und Film) finden.

 

 

ROSA YASSIN HASSAN

Teilnehmerin Rosa Yassin Hassan des Trainingprogramms

Rosa Yassin Hassan schreibt seit den 1990er Jahren Kurzgeschichten und Romane und gilt als eine der wichtigsten Autorinnen und Menschenrechtsaktivistinnen Syriens. Die Frauenrechtlerin gründete die syrische Vereinigung Frauen für Demokratie und informierte während des Bürgerkrieges die Weltöffentlichkeit in ihrem Blog "Tagebuch der syrischen Revolution" über Gräueltaten, aber auch über den Alltag der Menschen im zerstörten Damaskus. Als schonungslose Chronistin menschenverachtender Verbrechen geriet sie zunehmend ins Visier des Assad Regimes, aber auch der bewaffneten Opposition. Von ihren sieben auf Arabisch erschienen Romanen liegen zwei Werke in deutscher Sprache vor ('Ebenholz' und 'Wächter der Lüfte'). Mithilfe der Heinrich‐Böll-Stiftung gelang der Autorin im Herbst 2012 zusammen mit ihrem damals zehnjährigen Sohn die Flucht nach Deutschland. 2013/2014 war sie Gast der Hamburger Stiftung für Politisch Verfolgte

So geht es weiter: Rosa Yassin Hassan wird im Rahmen ihres Praktikums die Literaturagentur Keil & Keil unterstützen und weiterhin als Romanautorin, als Dozentin für Arabische Literatur an der Universität Hamburg sowie als Journalistin für arabischsprachige Medien arbeiten. Ihr aktuellster Roman 'Die vom Zauber Berührten' wird derzeit vom Arabischen ins Deutsche übersetzt. Die HMS unterstützt sie gemeinsam mit Keil & Keil bei der Suche nach einem geeigneten Verlag.

 

JALAL HOSSEINI

Teilnehmer Jalal Hosseini des Trainingprogramms

Jalal Hosseini arbeitete sieben Jahre lang als Grafikdesigner im PR-Bereich im Iran, bevor er 2012 das Land verließ. In Deutschland fand er über Praktika im Medienbereich Zugang zu seinem Ursprungsberuf und engagierte sich in einem Online-Projekt beim Magazin brandeins. Als Schauspieler war er in Produktionen des Fundus Theaters zu sehen.

So geht es weiter: Jalal Hosseini wird sein Praktikum bei Spiegel/bento absolvieren. Er hat sich außerdem die Zugangsberechtigung und die Zusage für ein Studium der Sozialökonomie erarbeitet und wird im April 2017 anfangen zu studieren. Als Schauspieler arbeitet er mit der Dozentin Sophie Molitoris (Castingagentur) an seiner Set-Card bzw. an ersten TV-Auftritten. Seit Oktober arbeitet Jalal Hosseini als Fotograf und Grafikdesigner für die Hamburger Modedesignerin Sibilla Pavenstedt.

 

 

AAMER NAJJAR

Teilnehmer Aamer Najjar des Trainingprogramms

Aamer Najjar arbeitete von 2002 bis zu seiner Flucht aus Syrien im Bereich Medien/Film als Regieassistent sowie als Regisseur (2. Location), unter anderem für zahlreiche TV-Serien sowie für Spielfilme im Libanon, Syrien, Ägypten und Algerien.

So geht es weiter: Aamer Najjar absolviert sein Praktikum bei Vincent TV, der Produktionsfirma von Sandra Maischberger und unterstützt dort als Rechercheur und Dolmetscher die Produktionen von sechs Dokumentationen für ARTE über arabischsprachige Länder.

 

 

MOHAMMAD HASSAN NAZERI

Teilnehmer Mohammad Hassan Nazeri des Trainingprogramms

Mohammad Hassan Nazeri produzierte Dokumentarfilme, unter anderem über die Situation von Frauen in Afghanistan, leitete die Konferenz zum Wiederaufbau der afghanischen Kino- und Filmlandschaft, saß in zahlreichen Festivaljurys (u.a. beim Internationalen Filmfestival "Banff" in Kanada), gründete das "House of Afghan Film and Theater" (HAFT) und arbeitete als Dozent an der Universität in Kabul. 2013 musste Nazeri sein Land verlassen. 2015 strahlte das persische BBC seinen Film 'Lala Hindu' aus. In Deutschland hält der Kulturschaffende Vorträge u.a. über die Situation in Afghanistan, produziert Kurzfilme und engagiert sich im Chor beim Nationaltheater Mannheim sowie im Ensemble 'Theater der Welt'. 

So geht es weiter: Mohammad Hassan Nazeri wird sein dreimonatiges Praktikum beim NDR in Hamburg absolvieren. Eventuell kehrt er anschließend zurück nach Süddeutschland, um dort eine Beschäftigung im Medienbereich zu finden. Sein Herz schlägt nach wie vor für den Dokumentarfilm.

 

JEAN NGENDAHIMANA

Teilnehmer Jean Ngendahimana des Trainingprogramms

Jean Ngendahimana arbeitete nach seinem BWL‐Studium als Radiomoderator und Reporter mit dem Schwerpunkt Wirtschaft und Finanzen in verschiedenen ruandischen Medienhäusern. Durch sein Engagement für Menschenrechte in Ruanda geriet er in Gefahr und musste das Land verlassen. In Deutschland fand er Unterstützung durch Reporter ohne Grenzen.

So geht es weiter: Jean Ngendahimana studiert mit einem Stipendium an der Universität Oldenburg European Migration & Intercultural Studies (Master). Daneben beschäftigt er sich in Artikeln und Vorträgen mit dem Thema 'Migrantischer Unternehmensgeist'.

 

 

ZAHRA SADAT

Teilnehmerin Zahra Sadat des Trainingprogramms

Zahra Sadat lebt seit 2014 in Deutschland. Die Journalistin und Frauenrechtsaktivistin war Website Managerin der Afghan Human Rights News, Chefredakteurin bei National Front of Afghanistan Weekly News und arbeitete von 2011 bis 2015 frei u.a. für Asian Geography, Jadid Online und das Sadaf Magazin. Bis zu ihrer Flucht nach Deutschland war Zahra Sadat Vorsitzende der OSO (Open Source Organisation) und damit Managerin/Ausrichterin der Human Rights Weeks 2010 bis 2012 und des Afghanistan Women Film Festivals.

So geht es weiter: Zahra Sadat wird ihr Praktikum bei SPIEGEL ONLINE absolvieren. Da sie in den vergangenen Monaten im Selbststudium alle notwendigen Sprachtests bestanden und sich die Studienberechtigung erarbeitet hat, wird sie außerdem ab April 2017 Sozialökonomie studieren und daneben als freie Journalistin arbeiten.

 

 

HAMID SALJOOGHI

Teilnehmer Hamidullah Saljooghi des Trainingprogramms

Hamid Saljooghi hat in Herat Journalismus (B.A.) und im indischen Bangalore Mass Communication (Master) studiert. Er leitete die Nachrichtenabteilung bei Herat National TV, war Herausgeber der Zeitung 'Etifaq Islam', arbeitete als Dozent und Medientrainer im Journalismus-Zentrum und als Medienkoordinator im Bürgermeisterbüro in Herat. Von 2012 bis zu seiner Flucht 2014 leitete er die juristische und politikwissenschaftliche Fakultät der Jami Private University in Kabul, war Mitglied der Hochschulleitung und lehrte Medienrecht. Auf seiner Flucht durchquerte Hamid Saljooghi mehrere Länder zu Fuß. In Deutschland engagierte er sich ehrenamtlich als Redakteur des Printmagazins 'Asadi' und absolvierte Praktika in Tageszeitungsredaktionen. 2015 wurde der Medienmacher – gemeinsam mit anderen – für das Theaterprojekt 'Szol Ha' (Frieden) mit dem Deutschen Bürgerpreis für Schleswig‐Holstein ausgezeichnet.

So geht es weiter: Hamid Saljooghi wird sein dreimonatiges Praktikum beim NDR absolvieren. Er schreibt für afghanischsprachige Medien.

 

Text: Tina Fritsche, Koordinatorin DMF an der HMS | Fotos: A. Ahmadi/I. Jaacks/A. Alrifaee/HMS


FILME VON STUDIERENDEN DER HAW

Dokumentarische Animationen 

 

Heimat und Fremde – was bedeutet das eigentlich für uns selbst und für andere? Student*innen der Fakultät Design und zeitbezogene Medien der Hochschule für angewandte Wissenschaft (HAW) produzieren unter diesem Gesichtspunkt kurze, animierte Filme. Menschen mit Fluchtgeschichte aus Syrien, Irak, Afghanistan und anderen Ländern werden dafür interviewt. Die Filme zeigen Momentaufnahmen aus ihrem Alltag und jetzigen Leben.   

 

 

"Angekommen" von Susann Hoffmann

 

Jalal findet sich nach seiner Flucht aus dem Iran in Deutschland wieder. Er muss Schwierigkeiten überwinden und lebt sich schließlich durch eigene Antriebskraft an dem zuvor fremden Ort ein. Wer sich selbst einmal "in der Fremde" einleben musste, weiß, wie schwierig dies sein kann. Am Wichtigsten sind Interaktion und Freundschaften mit den Einheimischen, um sich am neuen Ort heimisch zu fühlen. Das 'Aufeinanderzugehen' spielt eine zentrale Rolle und zwar von beiden Seiten – der Neuankommenden und der Alteingesessenen.

"Heimatlos" von Claudia Theer

 

Khaleda fühlt sich mit einem Land verbunden, in dem sie noch nie war. Alles, was sie über ihr Herkunftsland Afghanistan weiß, kennt sie aus Erzählungen ihrer Eltern und den Medien. Vorstellung und Realität sind grundverschieden. Ihre Geschichte ist beispielhaft für die Identitätsfrage vieler Menschen mit Migrationshintergrund.

"Papers" von Jakob Veselov

 

»Our lives are controlled by papers.« Ein junger Syrer flüchtet nach Deutschland. Dort will er sein Studium weiterführen, aber seit seiner Ankunft wartet er vergebens auf die Bearbeitung seines Asylantrags.

"Delay" von Lorenzo Toma

 

Qais Leben ändert sich schlagartig, als er am Flughafen in Dubai auf seinen Anschlussflug nach Kabul wartet. Er wird 'unislamischer Aktivitäten' beschuldigt und darf deshalb nicht in seine Heimat zurückkehren. Das Flughafen-Gate ist für Qais in diesen Moment die einzige Heimat, die er hat.

"Pink Pear and Peers" von Miran Im

 

Der Film zeigt einen jungen Mann, der Korea verlassen musste, weil er sich im Zwiespalt befand zwischen militärischer Pflicht und sexueller Identität.

"Verschiedene Länder und Sachen" von Laura Stieg

 

»Mit dem Film möchte ich daran erinnern, dass alle Kinder, ganz gleich ihrer Herkunft, Religion oder Kultur alle Wünsche, Hoffnungen, Fantasien und Träume haben.« Laura Stieg produzierte den Film 'Verschiedene Länder und Sachen' zusammen mit Kindern. 

"Papa" von Magda Kreps

 

1989 verließ Magdas Vater die Sowjetunion und landete in Hamburg. Im Gespräch erzählt er von seinem Ankommen, den ersten Eindrücken und von westlicher und sowjetischer Mentalität.

"Bora Saeg" von Carolin Eberhardt

 

Bora Saeg ist der koreanische Begriff für die Farbe Lila und auch die liebste Farbe der Protagonistin Bora. Sie ist in Seoul, der Hauptstadt von Südkorea, aufgewachsen. Der ständige Leistungsdruck, die Stigmatisierung als Scheidungskind und vor allem das konservative und patriarchische Denken vieler Koreaner machten es ihr schwer, sich in ihrer Heimat wohl zu fühlen. Da sie sich ein freies, selbstbestimmtes Leben in Südkorea nicht vorstellen konnte, zog Bora zunächst für ein Studium, später für das gemeinsame Leben mit ihrem Partner, nach Deutschland.

"Alex" von Dorothee Schraudner 

 

In dem Film Alex erzählt Lauritz, wie sich das Leben in der Fremde anfühlt, wenn man es nicht teilen kann, wenn die Freunde in der Heimat sie nicht miterleben und wie er neue Gefährten gefunden hat. Ein Film, in dem sich das Fehlen des Vertrauens stilistisch in reduzierten Linien spiegelt.

"Regesbostel" von Gesine Amina Dkhil

 

Nachkriegszeit auf dem Land. Inmitten von Gewalt und Herzlosigkeit flüchtet sich Renate in ihre eigene kleine Welt und erinnert sich dabei an die wenigen wertvollen Momente, die in ihr das Gefühl von Heimat wecken.

"Ein Leben im Krankenhaus" von Luca Christmann

 

Die Auswirkungen einer Diagnose können weitreichend sein. Sie betreffen aber oft auch die ganz einfachen, banalen Aspekte des Alltags. Im Interview erzählt Antonia von den kleinen Dingen, die so plötzlich an Bedeutung gewinnen.

"Philo" von Jana Neumann

 

Der Zeichentrickfilm handelt von einer jungen Frau namens Philothea, die Tochter ghanaischer Eltern, aufgewachsen in Deutschland. Sie erzählt von ihren Erfahrungen mit dem "Anderssein" und der ständigen Zerrissenheit zwischen zwei völlig unterschiedlichen Kulturen. 

"Heimat" von Jenny Winter und Marina Vassilieva

 

Die Studentin Gulzira erzählt von ihrem Leben in Kasachstan auf dem Land und ihrer Auswanderung nach Hamburg. Ihre Kindheit ist geprägt vom Zerfall der Sowjetunion. Für bessere Zukunftsperspektiven entscheidet sie sich schließlich als Jugendliche das Land zu verlassen. Sie wandert alleine aus und lernt eine neue Kultur kennen. Kann Deutschland ihre neue Heimat werden?



"Fremd durch Andere" von Aileena Manja

 

Der Animationsfilm „Fremd durch andere“ greift die Thematik auf, dass man sich an dem Ort, den man selbst als Heimat empfindet, trotzdem fremd fühlen kann – nur durch das Verhalten von anderen Menschen. Yanis Ouagueni, um den es in diesem Film geht, erzählt von seinen Eindrücken und Erfahrungen bezogen auf das Thema „Heimat und Fremde“.

"Emilija" von Martyna Gverzdyte

 

Emilija wächst in einem religiös geprägtem Land auf, in dem ihr auch ihre eigene Familie keinen Rückhalt bietet. Erst als sie nach Deutschland kommt, lernt sie, dass es okay ist, so zu sein, wie sie ist.

"Zuhause" von Franziska Brosio

 

Als Milena zum Studieren ihren Heimatort verlässt, ziehen ihre Eltern in ein kleines Haus. Ihre Besitztümer hat sie mitgenommen, verkauft oder verschenkt. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Ort, den sie Zuhause nennt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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